Der Gottesname in der Numismatik
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" Renaissance und Reformation
Der Gottesname in der Numismatik"




Vorwort

Bereits im Jahre 1838 war in der Allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste unter dem Begriff JEHOVAMÜNZEN folgendes zu lesen: "Man bezeichnet mit dem Namen Jehovamünzen insgemein alle diejenigen Münzen und Medaillen , auf welchen sich das gewöhnlich strahlende Wort , Jehova.......findet und da dies vorzüglich bei vielen Thalern der Fall ist, so hat man diese unter dem Namen JEHOVATHALER in eine Classe gebracht" (Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste von Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber. Zweite Section H - N, Fünfzehnter Theil 1838).

Wie kam es dazu, dass der Gottesname Jehova auf ca. 1500 verschiedenen Münzen, Medaillen, Jetons, Tokens und Rechenpfennigen erschien? Wie weit waren diese Gepräge verbreitet? Wie sahen JEHOVATALER eigentlich aus? Diese Fragen versuchen wir auf diesen Seiten zu beantworten.




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DER GOTTESNAME IM 16. JAHRHUNDERT


In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begannen viele mutige Männer die Bibel in ihre jeweilige Landessprache zu übersetzen. Zu ihnen gehörten unter anderem William Tyndale, Martin Luther, Casiodoro de Reina, Szymon Budny, John Eliot, Joao Ferreira de Almeida und viele andere.
Sie alle versuchten sich dabei so eng wie möglich an die Ursprachen der Bibel zu halten. Dabei stießen sie in den Hebräischen Schriften fast 7000 mal auf den Gottesnamen Jehova, den sie dann auch gebrauchten (sei es direkt in ihrer Übersetzung der Bibel oder in anderen Veröffentlichungen).
Der Gottesname Jehova besteht im Hebräischen – dort von rechts nach links gelesen – aus den vier Konsonanten JHWH oder YHWH. Diese werden das Tetragramm genannt. Tetra bedeutet vier, die Silbe gramm leitet sich von dem griechischen Wort gramma ab und steht für schreiben, die Schrift oder dem Buchstaben. Der Gottesname besteht also aus vier geschriebenen Buchstaben. Da die hebräische Schrift ausschließlich aus Konsonanten besteht und die Juden den Gottesnamen seit Jahrhunderten nicht mehr gebrauchen, ist dessen genaue Aussprache verlorengegangen.
Jüdische Abschreiber jedoch – allen voran die Familie Ben Ascher vom Galiläischen Meer – begannen, um die hebräische Sprache lebendig zu erhalten, ein Vokalisationssystem (Punktation) zu entwickeln. Durch die Anordnung von Punkten und Strichen fügten sie den Konsonanten Vokale hinzu, sodass eine Aussprache sichtbar wurde. Der hebräische Urtext enthält gemäß der Biblia Hebraica Stuttgartensia folgende Varianten des Gottesnamens: Jehwáh (Genesis 2,4), Jehowáh (Genesis 3,14), Jehwih (Genesis 15,2), Jhowáh (Genesis 18,17) und Jhwáh (1. Samuel 1,3). Außerdem existieren die Kurzformen Jah (Exodus 15,2) und Jaj (Hiob 12,9 im aramäischen Targum). Die in den Klammern angeführten Bibeltexte sind jeweils die erste Belegstelle im hebräischen bzw. aramäischen Urtext.
Letztendlich setzte sich dann in ganz Europa die Aussprache JEHOVA unter den Gelehrten des 16/17. Jahrhunderts durch.





Die Vokalisation des Tetragramms. Die Abbildung stammt von der Beschriftung eines Silbermedaillons, dass der jüdische Künstler Marc Chagall gestaltet hat.




Die Punktation: Die zwei Punkte unter dem J fügen den Vokal „e“ an. Der Punkt über dem W stellt den Vokal „o“ voran. Der Strich mit dem Punkt unter dem W fügt den Vokal „a“ an. Immer wenn diese Punktation zu sehen ist, lautet die Aussprache JEHOVA.








Martin Luther (1483-1546) Denkmal vor der Kaufmannskirche in Erfurt.










Martin Luther verteidigte den Gottesnamen Jehova unter anderem mit folgenden Worten:

„Er hat sein Wesen von niemand, hat auch keinen Anfang noch Ende, sondern ist von Ewigkeit her...........das ist Jehova“. Real-Encyklopädie für protestantische Theologie 1856.

1574 wurde nach einer nochmaligen Überarbeitung die Biblia Nieswieska (eine polnischsprachige Übersetzung) von Szymon Budny veröffentlicht. Ihm zur Seite stand der karäische Gelehrte Isaak Ben Abraham aus Troki in Litauen. Ihnen gelang es eine hervorragende Übersetzung der Heiligen Schrift anzufertigen. An vielen Stellen – auch in den „Christlichen Griechischen Schriften" – gebrauchten sie den Namen Jehova in den Zeitformen

Jehowá, Jehowy und Jehowie.







Der Pentateuch von William Tyndale aus dem Jahre 1530 (2. Mose 6,3). Er gebrauchte den Namen Jehova über 20x in seiner Übersetzung.







William Tyndale (1484-1536), sein Denkmal in London.


Aufgrund des großen Erfolges der Lutherbibel, sah sich die Geistlichkeit der katholischen Kirche gezwungen, nun ebenfalls eine deutschsprachige Übersetzung der Heiligen Schrift zu veröffentlichen. Diesen Auftrag erhielt der katholische Theologe Johannes Eck, einst Luthers Studienfreund, später einer dessen erbitternsten Gegner. Diese 1537 fertiggestellte Bibel war etwas besonderes. Zum ersten Mal erschien der Gottesname Jehova in einer deutschen Bibel, und zwar in einer Randglosse zu 2.Mose 6,3.



Übersetzung der Bibel
von Johannes Eck (1486-1543).


Zum ersten Mal erscheint hier der Name Jehova in einer deutschen Bibelübersetzung.
„Der Name Adonai Jehoua.“



Obwohl Martin Luther den Namen Jehova verteidigte, vermied er es diesen in seiner Übersetzung der Bibel zu verwenden.
Anders dagegen ging Johannes Calvin mit dem Gottesnamen um. Er benutzte ihn in seinen Kommentaren zu den einzelnen Bibelbüchern sowohl in Hebräisch, als auch in Latein, deshalb war es für seine Anhänger – die später auch Calvinisten genannt wurden – selbstverständlich den Namen Jehova außer während ihrer Gottesdienste auch im täglichen Leben zu gebrauchen.
Diese Entwicklung schlug sich dann auch in der Numismatik nieder. Sowohl katholische als auch lutherische und calvinistische Aristokraten ließen nun Münzen und Medaillen mit dem Gottesnamen Jehova prägen. In größeren Auflagen erschienen diese Gepräge zuerst unter calvinistischen Einfluss.




Genf 1587, J. Calvins Kommentare zu den Psalmen Kap. 132,1-3.


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